Schumacher/Tych, biographie de Julian Marchlewski Karski. Un document sur ce que la Pologne appelle la guerre polono-soviétique

Julian Marschlewsi

Camarade de toute une vie de Rosa Luxemburg au sein du SDKPiL, est aujourd'hui, dans l'historiographie officielle polonaise dénoncé et accusé.

Rappelons qu'une loi interdit dans ce pays de se réclamer du communisme sous peine d'amende et de peines de prison. La plaque sur la maison natale de Rosa Luxemburg a été enlevée. Et les recherches en polonais sur Marchlewski amènent majoritairement à des documents à charge.

D'où l'importance de donner accès à sa vie et à son action. Il existe peu de documents en français ou même en allemand disponibles sur le net.

Vous trouverez donc ici une transcription en allemand du chapitre Pour la paix entre la Pologne et l'Union soviétique, issue de la biographie que lui ont consacrée Horst Schumacher et Feliks Tych chez Dietz Verlag en 1966. Il me manque le temps pour en faire la traduction, mais aujourd'hui, il est possible d'avoir une traduction globalement juste sur le net (j'utilise deepl.) ou un lecteur peut-il se charger de cette tâche.

Feliks Tych fut un grand spécialiste de Rosa Luxemburg et membre de la Conférence Internationale Rosa Luxemburg. Il a disparu en 2015. J'avais pu le voir  lors de la Conférence qui se tenait en 2013 à Paris.

 

Für Frieden zwischen Polen und der Sowjetunion

 

Mitte März 1919 passierte Julian Marchlewski mit dem Sammeltransport polnischer Landarbeiter die polnische Grenze. Ohne Geld und ohne Papier befand er sich unverhofft in der Heimat. Die einen wollen ihn später in der Gegend seiner Geburtsstadt Wlolawek, wo der Transport ausgelöst wurde, im Gespräch mit Bauern gesehen haben, andere Berichten zufolge war er auch bei seinem Bruder Leon Pawel in Krakow und bei den Schwestern in Zakopane, aber die längste Zeit lebte er wohl in Warschau.

 

In Warschau nahm Marchlewski sofort zu den leitenden Genossen der illegalen KAPP Kontakt auf. Einer der damaligen Leiter der Partei berichtet über eine dieser konspirativen Begegnungen mit Marchlewski : “ich hatte damals die Möglichkeit, nur einige Stunden mit ihm zu sprechen. Aber nur jener, der damals in Polen war, abgeschnitten vom Ausland, von Sowjetrussland, kann beurteilen,, wieviel von uns, einigen Genossen, das Gespräch mit solch einem Menschen wie Marchlewski gegeben hat. Es war, also als man uns plötzlich ein Fenster auf die russische Revolution und die revolutionäre Bewegung in Deutschland aufgestossen hätte.”

 

Marchlewski nutzte seinen unverhofften Aufenthalt in Polen nicht nur zur Kontaktaufnahme mit den Genossen im Lande, sondern er bemühte sich bei dieser Gelegenheit auch, zum Abschluss eines Friedens zwischen Polen und Sowjetrussland beizutragen. Der Krieg zwischen beiden Staaten war zwar nie erklärt worden, hatte aber tatsächlich Anfang 1919 infolge der expansiven territorialen Forderungen des bürgerlichen Polen begonnen. In Litauen und Belorussland hatte sich, obgleich die Kriegshandlungen auf beiden Seiten nur ein ziemlich geringes Ausmass annahmen, eine reguläre polnisch-sowjetischen Front herausgebildet. Marchlewski wusste, dass sowohl die politische Lage Polens wie auch die militärische Lage Sowjetrusslands schwer war. Beide Länder brauchten Frieden. Die Armeen des konterrevolutionären Generals Denikin setzten vom Süden zu einer grossen Offensive auf Moskau an. Bereits im Frühjahr hatte die Armee des Admirals Koltschalk, den die imperialistischen Staaten Ende Mai 1919 als rechtmässig russische Regierung anzuerkennen versprachen, ihren Druck auf die die Rote Armee verstärkt. Marchlewski sah, dass die Unterstützung, die Koltschak, in seinem Streben nach Wiederaufleben eines “grossen und unteilbaren Russlands” von den Allierten erfuhr, eine grosse Gefahr für die Existenz des unabhängigen polnischen Front heraufbeschwor. Er verstand aber auch sehr gut, dass die Freisetzung jenes Teils des Roten Armee, der jetzt an der polnischen Front gebunden war, den Kampf der tödlich bedrohten Sowjetmacht gegen Denikin und Koltschak erleichtern würde. In dieser Situation war klar, das Pilsudski nicht sonderlich an einem Sieg der konterrevolutionären Generale interessiert sein könnte. Die angekündigte Anerkennung Koltschaks durch die Ententestaaten hatte zudem zu einer ernstlichen Beunruhigung eines Teils der öffentlichen Meinung in Polen geführt. Dieser Teil, so schäzte Marchlewski ein, forderte “die Beendigung des Krieges gegen Sowjetrussland und den Abschluss eines Friedensvertrages, der die Unabhängikeit Polens garantieren würde.”

 

Das wusste Marchlewski auszunutzen, um in polnischen Regierungskreisen die Meinung über Friedensverhandlungen zwischen Polen und der Sowjetregierung zu sondieren. Das war ein äusserst kühner Entschluss, denn Marchlewski befand sich ja ohne jegliche Vollmachten und illegal in Polen. Die führenden Mitglieder der KAPP in Polen, deren Meinung er eingeholt hatte, vor allem Warski beurteilten diesen Schritt als politisch zweckmässig, warnten Marchlewski aber vor einer Verhaftung, die sicherlich sofort erfolgen würde, nachdem er sich zu erkennen gegeben hatte. Marchlewski und Warski vertraten den Standpunkt, dass man das Risiko eingehen müsse, um “dem sinnlosen Blutbald ein Ende zu bereiten.”

 

Marchlewski nahm den  Kontakt zur polnischen Regierung über den damaligen stellvertretenden Minister des Innern, Jozef Beck – den Vater des späteren Aussenministers -, auf, mit dem er zusammen im Verband Polnischer Arbeiter leitend tätig gewesen war. Marchlewski schlug vertrauliche Gespräche vor, die später zur offiziellen Friedensverhandlungen führen sollten. Beck brachte Marchlewski mit dem damaligen Minister des Innern und späteren Präsidenten der Republik Polen, Stanislaw Wojciechowski, zusammen. Dieser wurde zum Mittelsmann zwischen Marchlewski und Pilsudski. Marchlewski war bemüht, seine unmittelbaren und indirekten Gesprächspartner davon zu überzeugen, das eine militarische Hilfe der polnischen Regierung für Denikin wie überhaupt jegliche Kriegshandlungen gegen den Sowjetstaat in Widerspruch zu den nationalen Interessen Polens standen. Er wies nach, dass ein Sieg der konterrevolutionären general in jedem fall ein Sieg des grossrussischen Chauvinismus war und dass allein Sowjetrussland mit seiner Losung des Selbstbestimmungsrechts für alle Nationen die Unabhängigkeit des polnischen Staates gewährleiste.

 

Da die polnische Regierung eine Wiedererrichtung des zaristischen Russlands befürchtete und sich mit den Führern der russischen Konterrevolution nicht über die Grenze Polens nach einer Niederwerfung der Sowjetmacht einigen konnte, fand Marchlewski mit seinen Argumenten und Vorschlägen Gehör. Pilsudski liess Marchlewski mitteilen, er möge nach Moskau zurückkehren und die Sowjetregierung davon unterrichten, dass die polnische Seite mit der baldigen Aufnahme von inoffiziellen, streng geheimzuhaltenden Verhandlungen einverstanden sei.

 

So überschritt Marchlewski am 18. Juni die Front und begab sich unverzüglich nach Moskau. Auf einer Zusammenkunft der Leitung der polnischen Kommunisten am 25. Juni in Moskau auf der Marchlewski  über seine Verhandlungen in Warschau berichtete, sprach sich die Mehrheit, zu der auch Dzierzynski und Hanecki gehörten, für die Forsetzung der inoffiziellen Verhandlungen aus, während ein Teil mit J. Leszczynski dagegen auftrat. Dieser Teil begrûndete seine Stellungnahme damit, dass man nicht mit einem bürgerlichen Polen verhandeln dürfe und dass ein von der Entente abhängiges Polen keine selbstständig Politik führen könne und  Verhandlungen deshalb auch nuzlos seien. Bestenfalls könnten offizielle Verhandlungen propagandistischen Erfolg haben. Diesen Ansichten lag die Hoffnung auf einen revolutionären Krieg zugrunde, während Marchlewski sich auf Lenins Auffassung berief, dass die kommunistische Ordnung nicht mit Waffengewalt und gegen den Willen der Bevölkerung exportiert werden kann. Vergeblich versuchte Marchlewski Leszczynski und seine Anhänger zu überzeugen. Verärgert schrieb er an seine Frau: “Der Rrradikalismus und Rrrrevolutionismus dieser vernagelten Köpfe kann noch manches Unglück verursachen.”

 

Marchlewski wurde sogleich nach dieser Zusammenkunft von Lenin empfangen und teilte ihm die Ergebnisse seiner Warschauer Verhandlungen mit. Lenin und die sowjetische Regierung billigten die Initiative Marchlewski und gaben ihm den Auftrag, die weiteren Verhandlungen zu führen.

 

Am 10. Juli 1919 reiste Marchlewski von Moskau ab, und wenig später passierte er, wie es mit den polnischen Behörden vereinbart worden war, als J. Kujawski die Front. “Als ich Warschau verliess”, schrieb er später “ hatte man mir versprochen, dass ich bei Rückkehr aus Russland, unabhängig von den erzielten Resultaten, als Privatperson nach Warschau kommen könne. Indessen wurde ich an der Front als Gefangener behandelt und erst nach einigen Tagen Durcheinander nach Bialowieza überführt.

 

Ihn erwarteten bereits zwei Regierungsvertreter aus Warschau. Mit dem einen führte Marchlewski im Namen des Russischen Roten Kreuzes offiziell Verhandlungen über den Austausch von Zivilgefangenen und Geiseln, mit dem anderen aber nahm er die geheimen Friedensverhandlungen auf. Die Sowjetregierung hatte ihm dazu weitgehende Vollmachten erteilt : er war ermächtigt, der polnischen  Regierung zu erklären, dass territoriale Fragen im Sinne der polnischen Wünsche erledigt werden könnten. Die polnischen Truppen befanden sich damals in der Gegend von Molodeczno, und die sowjetische Regierung war bereit, eine so weit nach Osten verlegte Grenze des bürgerlichen Polens anzuerkennen. Lenin selbst begründete diese Haltung : “Wir wollen keinen Krieg wegen territorialischer Grenzen, weil wir die verfluchte Vergangenheit, wo jeder Grossrusse als Unterdrücker galt, auslöschen wollen.” Der Verhandlungspartner musste zwar zugeben, dass die Bedingungen für Polen äusserst günstig waren, aber gleichzeitg erklärte er, dass die polnische Regierung aus Rücksicht auf die internationale Lage keine öffentlichen Verhandlungen aufnehmen könne. Es wurde eine neue Zusammenkunft vereinbart.

 

Zurückgekehrt nach Moskau, übertrug die Sowjetregierung Marchlewski bis zur zweiten Zusammenkunft mit den polnischen Vertretern eine neue verantwortungsvolle diplomatische Mission, die Friedensverhandlungen mit Litauen. Ohne Begründung und ohne Rücksprache mit der Parteifûhrung berorderte J.W. Stalin Marchlewski jedoch von dieser Mission zurück. Das rief eine scharfe Reaktion W.I. Lenin hervor. Am 1. September 1919 telegrafierte er an Stalin, der sich damals an der Westfront befand : “Das Politbüro bittet Sie, die Motive ihres Entscheids im Falle von Marchlewski zu erklären. Wir sind verwundert, dass Sie einen Beschluss des ZK allein ausser Kraft setzen und uns nichts darüber mitteilen."

 

Marchlewski, damals sehr nahestehende Genossen erinnern sich, dass er in den folgenden Jahren mit Besorgnis verfolgte, wie in manchen Schritten Stalins Tendenzen zunahmen, die dem Leninschen Geist fremd waren. Obwohl auch sachliche Gründe dafür sprachen, zeigte das Bemühen Marchlewskis, 1920 zum besten des polnisch-sowjetischen Beziehungen die Liquidationskommission für das ehemalige Königreich Polen nicht dem von Stalin geleiteten Volkskommissariat für Angelengenheiten der Nationalitäten, sondern dem von Tsichtschterin geleiteten Volkskommission für Auswärtigue Angelengenheiten der Nationalitäten zu unterstellen, wie weit seine Haltung zu Stalin bereits in jenen Jahren nicht frei von Bedenken war. Es ist bekannt, dass Lenin die Bemühungen Marchlewskis unterstüzt hat. Als Stalin die Übergabe der Liquidationskommission (eine Kommission fûr die Rückgabe der während des Zarismus und besonders während des Weltkrieges evakuierten materiellen und kulturellen Güter an die Republik Polen) aus seinem Kommissariat an das Volkskommission fur auswärtige Angelegenheiten zu verhindern suchte, intervenierte Lenin sofort. Er schrieb an den kleinen Rat der Volkskommissare : “Gen[osse]. Marchlewski teilt mir mit, dass die Überführung der Liquidationskommission fur die ehemaligen Konigreich Polen aus dem Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten der Nationaliäten auf das äusserste verzögert wird. Ich bitte die Klärung (die endgültige) dieser Sache zu beschleunigen und mir genau mitzuteilen, wann sie entschieden sein werden". Marchlewski ist in seinen Bemühungen um die Regelung polnischer Angelegenheiten stets von Lenin unterstützt worden.

 

Am 9. Oktober 1919 fand in Mikaszewicze die zweite Zusammenkunft mit einer polnischen Delegation statt. Offiziell hatte Marchlewski eine von Lenin unterschriebene Vollmacht, im Namen des Russischen Roten Kreuzes einen Vertrag mit dem Vertreter des Polnischen Roten Kreuzes abzuschliessen. Das war jedoch auf Wunsch der polnischen Seite eine Tarnung gegenüber der Entente. Die wirkliche Aufgabe Marchlewskis bestand darin, nunmehr einen Frieden zwischen Polen und Sowjetunion abzuschliessen. Deshalb war er noch mit einer zweiten, geheimen Vollmacht versehen, die vom Volkskommissar des Äusseren, G.W. Tschischerin, unterzeichnet war.

 

Beinahe wäre Marchlewski und den ihn begleitenden Genossen die Begegnung mit den Vertretern der polnischen Republik ebenso zum Verhängnis geworden wie Bronislaw Wesolowski und seinen Genossen. Wesolowski – Marchlewskis bester Freund – war im Januar 1919 zusammen mit drei weiteren Mitgliedern einer von ihm geleiteten Mission des Russischen Roten Kreuzes von polnischen Gendarmen hinterrückt erschossen worden.

 

Marchlewski begab sich mit seinen Begleitern unter dem Schutz einer weissen Flagge zu Fuss über die Front. Polnische Offiziere nahmen die Mission in Empfang und geleisteten sie, nachdem sie die Legitimation kontrolliert hatten, zu einem Eisenbahnwagen, in dem sie nach Mikaszewicze fahren sollten. Die ganze Zeit über wurde die Delegation ausnehmend höflich behandelt. Aber auf einer der Stationen stieg der begleitende Offizier aus. Im Wagen blieben nur zwei Soldaten als Wachposten. Marchlewski und seine Genossen warteten auf die Weiterfahrt, die sich immer mehr verzögerte. Plötzlich betraten zwei schwerbewaffnete polnische Offiziere mit Reitpeitschen in der Hand lärmend den Wagen. Brutal forderten sie die Delegation auf, ihre Dokumente vorzuzeigen. Marchlewski zeigte schweigend seinen Pass. Das Benehmen der Offiziere wurde jedoch immer provozierender « Bitte sich höflicher zu benehmen” sagte Marchlewski ruhig.

 

“Was? Mit euch höflich? Und wieviel unserer Brüder habt ihr in Moskau erschossen? Wartet bloss, wir werden mit euch noch reinen Tisch machen!” brüllten die Offiziere, mit den Peitschen auf den Tisch schlagend.

 

Marchlewski, der bis dahin am Tisch gesessen hatte, richtete sich sofort auf, wies mit der Hand auf die Tür und fuhr die beiden an :

“raus”

“Eine unheimliche Stille trat ein”, schreibt eines der Mitglieder der Delegation. “Blitzschnell umringten wir Genossen Marchlewski, auf der einen Seite wir … gegenüber jene zwei, wutschäunend. Es schien, als ob es im nächsten Augenblick losgehen würde. Unwillkürlich dachten wir an Genossen Wesolowski und jene Ermordeten. Bevor jedoch die Offiziere sich auf uns stürzten konnten, schleuderte ihnen einer von uns in’s Gesicht : “Iht wisst, das für jeden Kopf von uns eure Kollegen in Moskau mit ihren Köpfen zahlen werde. Das ernüchterte sie sofort. Sie anworteten mit Schimpfworten, aber der erste Angriff war zurückgewiesen. Die entscheidende Haltung des Genossen Marchlewski, die augenscheinliche Unruhe der Posten, schliesslich die Drohung einer Abrechnung in Moskau, all das hatte die Angreifer gezähmt. Mit den Peitschen knallend und Drohungen ausstossend, entfernten sich die beiden.

 

Obwohl Marchlewski sofort Protest einlegte, wurde nie geklärt, ob es sich bei diesem Zwischenfall um einen sinnlosen Krawall oder um eine Provokation bestimmter Offizierskreise gehandelt hat, die der Naradowa Demokracja nahestanden und mit allen Mitteln versuchten, die Friedenscerhandlungen zu torpedieren.

 

Auch in Mikaszewicze wurde, wie in Bialowieza, auf zwei Ebenen verhandelt. Offiziell sprach man über den Austausch vom Kriegsgefangenen und Geisseln, inoffiziell aber über Krieg und Frieden. Ein persönlicher Vertrauensmann Pilsudski, Ignacy Boerner, war Gesprächspartner Marchlewskis. Boerner bekam seine Ausweisungen im Laufe der Verhandlungen unmittelbar von Pilsudski, und nur ihm persönlich erstatte er bericht. Mehrmals fuhr er zwischen dem Belvedere in Warschau und dem “Standort des Sanitätszüges nr 15” hin und her. Auch Marchlewski verliess Mikaszewicze im November 1919, um Lenin über den Standpunkt Pilsudski persönlich zu berichten. Pilsudski hatte mitteilen lassen, dass seine Grenzforderungen nicht sehr vom damaligen Verlauf der Front abwichen und dass er den polnischen Truppen keinen Befehl erteilen würde, über die Demarkationslinie vorzustossen. Die Rote Armee hatte also freie Hand, mit Denikin abzurechnen. Pilsudski hatte übrigens Boerner direkt beauftragt, Marchlewski zu bitten, eine Erklärung an Lenin weiterzuleiten, dass eine “etwaige Hilfsleistung für Denikin  in seinem Kampf gegen die Bolschewiki der polnischen Staatsraison nicht entsprechen könne.”

 

Am 23. November teilte Marchlewski nach seiner Rückkehr aus Moskau Boerner W.I. Lenin Antwort mit. Sie ging im wesentlichen auf die konkrete Vorschläge Pilsudski ein, galt es doch in erster Linie, den Frieden herbeizuführen. Am 26. Novembrer empfing Pilsudski Boerner, der ihm den Standpunkt Lenin darlegte. Aber Pilsudski war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an der Weiterführung der Verhandlungen von Bialowiecza-Mikaszewicze interessiert. Sie waren für ihn ein Mittel gewesen, der Roten Armee die Zerschlagung Denikins zu ermöglichen. Das von Lenin und Marchlewski angestrebte Ziel, einen Frieden abzuschliessen, lag Pilsudski gänzlich fern. Deshalb beauftragte er Boerner, die Verhandlungen abzubrechen. Sie endeten mit der Unterzeichnung zweier Abkommen über den gegenseitingen Austausch von Zivilgefangenen. Da swichtigste war aber, dass die Verhandlungen für eine gewisse Zeit zu einem faktischen Waffenstillstand geführt hatten, der es der Sowjetregierung erlaubte, einen Teil ihrer Truppen gegen Denikin und Koltschak einzusetzen. Marchlewski kehrte am 22. Dezember nach Moskau zurück.

 

Nach Abbruch der Verhandlungen in Mikaszewicze erklärte die Sowjetregierung noch mehrere Male ihr Bestreben, die Streitfragen mit Polen auf friedlichen Weg, sogar um den Preis bedeutender Konzessionen, zu lösen. Diese Vorschläge fanden jedoch kein Gehör. Pilsudski dachte schon damals daran, selbstständig gegen Sowjetunion militärisch vorzugehen, was er dann wenige Monate nach dem Abbruch der Verhandlungen auch tat. Der Polnisch-Sowjetische Krieg, der bis dahin begrenzten Charakter hatte, trat damit in ein neues Stadium. Marchlewski rechnete übrigens mit einer derartigen Entwicklung. In dem Bericht, den er dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Russlands (Bolchewiki) – KPR (B) unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Polen erstattete, stellte er abschliessend fest : “Ich halte ein Eingreifen der polnischen Armee in der nächsten Zukunft für vollkommen möglich … Deswegen erachte ich es als meine Pflicht, die Aufmerksamkeit des Zentralkomitees darauf zu lenken, dass die Westfront verstärkt werden muss.”

 

 

 

Un exemple de l'historiagraphie officielle : Traitres aux côtés de Lénine

Schumacher/Tych, biographie de Julian Marchlewski Karski. Un document sur ce que la Pologne appelle la guerre polono-soviétique
Retour à l'accueil